Schweine für den Müllcontainer

55 Millionen Schweine werden jährlich in Deutschland geschlachtet. Bis zu einem Drittel davon landen niemals in einer Bratpfanne, sondern auf dem Müll.


Trotzdem boomt die industrielle Schweinezucht, es entstehen riesige neue Tierfabriken. Und die sind politisch offensichtlich gewollt. EU, Bund und Länder fördern eine industrielle Massentierzucht, die zu Überproduktion führt.

So stehen bis zu 20.000 Mastschweine in einem Stall, das bedeutet: Dahinvegetieren in Schmutz, Enge und Dunkelheit, ständig geplagt von Krankheitserregern. "Der Gestank ist entsetzlich, der Mensch hält es nur kurze Zeit in den Ställen aus", berichtet ein Tierschützer die Zustände in deutschen Zuchtbetrieben. Für die großen Züchter lohnt sich dieses Geschäft selbst dann noch, wenn der Markt längst übersättigt ist. Rund zehn Prozent der Schweine sterben dort in den Ställen, bevor sie schlachtreif sind.

Dass es auch anders geht, zeigen die "Hermannsdörfer Landwerkstätten", ein Musterbetrieb nachhaltiger Tierzucht. Gründer ist Karl Ludwig Schweisfurth, einst Pionier der Fleischindustrie in Deutschland, als Chef des Herta-Konzerns europäischer Marktführer. Das Geschäft, das ihn einst reich machte, sieht er längst kritisch: "Haben wir das gewollt - immer billiger, damit wir immer mehr Fleisch fressen?"

Fazit: Fleisch essen, ohne sich zu ekeln - das ist möglich. Aber wenn alle Schweine, die die Deutschen essen, so leben sollten wie in Schweisfurths Landwerkstätten, dann wäre Fleisch um ein Vielfaches teurer.

Die Dokumentation "Schweine für den Müllcontainer" verfolgt die Wege der Fleischproduktion bis zu den Orten, wo Fleisch auf dem Müll landet: Supermärkte, die Fleisch entsorgen, weil es die Haltbarkeitsgrenze überschritten hat. Gastronomie, die sich zu niedrigen Kosten mit Vorräten eindeckt - das Wegwerfen rechnet sich dort. Und Verbraucher, die mehr kaufen, als sie konsumieren.

Warum es zu viel Fleisch gibt
3Sat | 25.02.2015 | 20:15 Uhr